Wie trinationale Zusammenarbeit gelingen kann - Hospiz- und Palliativarbeit ohne Grenzen

|   Einrichtungen

Das Stationäre Hospiz Siloah in Herrnhut im internationalen Austausch

Hospize sind nicht nur Orte – sie sind eine Lebenseinstellung. Sie stehen für eine sorgende Gemeinschaft, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, der Hilfe, Begleitung und Unterstützung benötigt. Denn Sterben gehört zum Leben – überall auf der Welt.

Seit rund 50 Jahren haben sich international ganz unterschiedliche Formen der Hospiz- und Palliativarbeit entwickelt: ambulant, teilstationär und stationär. Umso wertvoller ist es, den Blick über den eigenen „Tellerrand“ hinaus zu wagen – besonders dann, wenn dieser direkt in der Nachbarschaft liegt.

Ein Ort des Lebens mitten in der Oberlausitz

Das Stationäre Hospiz Siloah Herrnhut liegt im Herzen der Oberlausitz. Vor über 15 Jahren wurde es als erstes stationäres Hospiz in Ostsachsen von engagierten Pionieren der Hospizarbeit initiiert. Seitdem ist es ein geschützter Ort für schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre An- und Zugehörigen – ein Ort des Lebens, der Würde und der Selbstbestimmung in der letzten Lebensphase.

Jährlich begleiten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden rund 160 Menschen in ihren letzten Lebenstagen oder -wochen. Dabei ist das Hospiz Siloah heute ein fester Bestandteil der regionalen Versorgungslandschaft und arbeitet eng mit SAPV-Teams, Palliativstationen der Krankenhäuser sowie ambulanten Hospizdiensten zusammen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Dreiländereck

Nur etwa 20 Fahrminuten von Herrnhut entfernt liegt das Dreiländereck Deutschland–Polen–Tschechien. Diese besondere geografische Lage eröffnet wertvolle Möglichkeiten für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit – auch in der Hospiz- und Palliativarbeit.

Seit über acht Jahren pflegt das Stationäre Hospiz Siloah einen freundschaftlichen und fachlichen Austausch mit dem Hospiz Betania in Opole (Polen) sowie dem Hospiz sv. Zdislavy in Liberec (Tschechien). Neben gegenseitigen Hospitationen, Exkursionen, Fachtagen und Vorträgen steht vor allem der fachliche Austausch im Mittelpunkt. Unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen, Finanzierungssysteme, Abläufe und Rituale bieten dabei wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit.

Eine besondere Verbindung zwischen den drei Hospizen bildet der christliche Glaube, der das tägliche Handeln prägt – getragen von Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Respekt vor dem Leben.

Lernen voneinander – für eine bessere Begleitung

Die Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern ermöglicht Einblicke in unterschiedliche Versorgungsstrukturen. So ist das polnische Hospiz Betania mit 17 Plätzen stärker medizinisch angebunden, während das tschechische Hospiz sv. Zdislavy mit 24 Hospizbetten und sechs Kurzzeitpflegeplätzen deutlich größer ist als vergleichbare Einrichtungen in Deutschland. Trotz aller Unterschiede wurden viele Gemeinsamkeiten in der Haltung und Begleitung schwerstkranker Menschen sichtbar.

Nach den pandemiebedingten Einschränkungen konnte der Austausch im Herbst 2025 wieder intensiviert werden. Vier Mitarbeiterinnen des Stationären Hospizes Siloah besuchten Ende September das Hospiz sv. Zdislavy in Liberec. In herzlicher Atmosphäre entstanden intensive Gespräche, fachlicher Austausch und neue Perspektiven – ergänzt durch gemeinsame Erlebnisse in Stadt und Umgebung.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Der grenzüberschreitende Austausch stärkt nicht nur die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden, sondern trägt auch zur Weiterentwicklung der Qualität in der Hospiz- und Palliativversorgung bei. Neue Impulse, unterschiedliche Sichtweisen und das gemeinsame Lernen voneinander bereichern die tägliche Arbeit – immer mit dem Ziel, Menschen am Lebensende bestmöglich zu begleiten.

Umso dankbarer sind wir für die Auszeichnung dieses Projekts mit dem DHP-Stiftungspreis 2022. Sie bestätigt, wie wertvoll es ist, über Grenzen hinweg gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Denn: Sterben gehört zum Leben – auch über Ländergrenzen hinaus.

Zurück